6. Glaubenssatzinventur – Glaub‘ nicht alles, was du denkst! #1

Heute verkrümeln wir uns in die alten staubigen Lagerhallen eures Gehirns, reißen die Vorhänge beiseite und die Fenster auf, krempeln die Ärmel hoch und machen Inventur – Glaubenssatzinventur…

Hallo ihr Lieben,

wie schön, dass wir uns auch in der sechsten Podcastfolge hören!

Es wird in dieser und nächster Folge um Glaubenssätze in Bezug auf das Berufsleben geben. Heute widmen wir uns der Theorie

Was sind Glaubenssätze? Wo kommen sie her? Welche Arten gibt es? Und was machen sie mit uns?

und beim nächsten Mal eher der Praxis. Dann konzentrieren wir uns darauf, sie aufzudecken, entsprechend zu bewerten und zu hinterfragen bzw. aufzulösen oder umzuformulieren.

Glaubenssätze sind Gedanken, die oft wiederholt wurden und so zu unserer Wahrheit geworden sind und unser Verhalten unbewusst steuern, weil wir uns entsprechend dieser Gedanken und Überzeugungen verhalten möchten. Sie geben uns also die Erlaubnis und Berechtigung, gewisse Dinge zu tun oder erlegen uns Einschränkungen und Verbote auf. Oft geht es dabei um Ansichten, wie z.B. Arbeit oder Arbeitnehmer zu sein haben, die klassischen „Man muss“ „Das macht man so und so“ halt…

Das Gehirn, das Unterbewusstsein LIEBT Automatisierungen! Es möchte alles möglichst einfach und gleich haben, um Energie zu sparen. Reflektieren ist nämlich sehr anstrengend und wer das nicht regelmäßig tut, überlässt seinem Unterbewusstsein die Kontrolle (Autopilotenmodus). Deshalb ist auch die Achtsamkeit derzeit wieder in aller Munde - man verlernt im Alltag manchmal viel zu schnell, mit vollem Bewusstsein durch Situationen und Gefühle zu gehen.

Wir haben es also bei Glaubenssätzen mit Überzeugungen oder oft auch Sprichwörtern zu tun, die wir in uns tragen und von denen wir überzeugt sind, dass sie richtig sind - mit Kognition und Emotion stehen wir dahinter. Die Sätze sind für uns logisch, nicht hinterfragenswürdig und emotional bedeutsam.

Glaubenssätze gelten für alle Bereiche des Lebens, zu allem hat bzw. lebt man nach gewissen Überzeugungen:

  • Finanzen (Wer den Pfennig nicht ehrt, …)
  • Partnerschaft (Ich gerate irgendwie immer an die Falschen …)
  • Ernährung (Das Dessert gibt es immer nach dem Hauptgang …)
  • Erziehung (Man klettert nicht die Rutsche rauf …)
  • Selbstliebe (Ich habe halt starke Knochen …)
  • Persönlichkeit (Ich bin eher der Einzelgänger …)

Aber auch im Arbeitskontext greifen sie:

  • nur mit einem Studium habe ich gute Verdienst- und Karrierechancen
  • ich brauche eine unbefristete Stelle
  • es ist das größte Glück, von Ausbildung bis zum Renteneintrittsalter in einem Unternehmen unbefristet angestellt zu sein
  • meine Anstellung ist gesichert und unumstößlich
  • Ohne Fleiß kein Preis

Wenn man möchte, kann man versuchen, die Glaubenssätze nach Arten zu unterteilen. Dazu gibt es diverse Möglichkeiten, aus dem NLP habe ich euch folgende 2 Unterteilungsmöglichkeiten mitgebracht:

Regeln (Ursache – Wirkung, Wenn-Dann, Weil, …)

  • Wenn ich studiert habe, dann kann ich eine Führungskraft werden (nicht auch durch Weiterbildungen nach der Ausbildung, Erfahrung, Fleiß usw.?)
  • Weil ich auf der Karriereleiter nach oben steigen möchte, muss ich mich streng nach der Hierarchie richten und mir so manches gefallen lassen

Annahmen

  • Identitäten: Mir ist noch nie etwas leicht gefallen. Ich bin keine Führungspersönlichkeit. Ich kann das mit den neuen Technologien einfach nicht.
  • Welt geht so: Mit der Branche geht es bergab. Die Jugend von heute möchte doch nur viel Geld ohne etwas dafür zu tun. Wer erfolgreich sein möchte, muss sich den Hintern dafür aufreißen.
  • Man muss: … am Montagmorgen zur Arbeit gehen. … als Führungskraft eine Vollzeitstelle haben. … als Frau 12 Monate Elternzeit nehmen. … seinen Job nicht lieben, solange er Geld und Sicherheit bringt.

Glaubenssätze haben ihren Ursprung in Kindheit, Jugend und gemachte Erfahrungen. Vieles reproduziert man unreflektiert, weil wichtige Bezugspersonen (Eltern, Lehrer, Großeltern, Nachbarn, Trainer) es einmal so erzählt oder vorgemacht haben oder man eigene Erfahrungen sammeln konnte. So etwas kann sich über Generationen einspielen und auch gut gemeint bzw. in dieser Zeit oder für diese Person hilfreich gewesen sein - aber eventuell nicht (mehr) für einen selbst …

–> z.B. eine sichere Anstellung für Nachkriegsgenerationen war tatsächlich existentiell, für uns heute nicht mehr in allen Bereichen (Schlagwort: Bewerbermarkt).

Diese Überzeugungen sind an sich nichts Schlechtes, es gibt generell hilfreiche und nicht (mehr) hilfreiche Glaubenssätze. Irgendwann waren sie sinnvoll, haben in bestimmten Situationen oder einer gewissen Phase unseres Lebens geholfen. Allerdings machen nicht alle Mechanismen für uns als Erwachsene Sinn.

Und hier und da melden sich manche Glaubenssätze zu Wort, weil es zu inneren oder äußeren Konflikten kommt und der Mechanismus nicht mehr zu funktionieren scheint. Bei einem realem oder vorgestelltem Verstoß fühlt es sich falsch an, wir spüren richtige heftige Widerstände in uns, weit über ein sachliches „Oh, das sehe ich nicht so!“ hinaus …eher im Sinne von „Das geht doch gar nicht!!!

Denkt dabei nochmal an den kleinen Elefanten aus Folge 4. – er hat die ihm gegebenen Grenzen ab einem gewissen Punkt nie mehr hinterfragt. Bei ihm hat sich der negative Glaubenssatz „Ich schaffe das nicht“ oder „Ich bin nicht stark genug“ eingeprägt – und das völlig zu Unrecht!

Deshalb darfst du dir die Zeit nehmen, um deinen mentalen Lagerraum zu öffnen und einen Blick reinzuwerfen:

Was steckt alles da drin? Was hat sich über die Jahre und Jahrzehnte angestaut? Was davon kann ich noch gebrauchen und was davon bremst mich aus wie ein Klotz am Bein?

Wir machen quasi eine Inventur in Bezug auf Überzeugungen, die wir über Arbeit und unser Arbeitsleben angesammelt haben.

Das schauen wir uns in der nächsten Folge etwas genauer an!

Kleines Fazit für die heutige Folge

  • Glaubenssätze = automatisierte Gedanken, die unbewusst unser Verhalten steuern und nicht per se etwas schlechtes sein müssen
  • sie kommen in allen Lebensbereichen vor und lassen sich in verschiedene Arten unterteilen
  • ihren Ursprung haben sie in Kindheit und Jugend
  • es lohnt sich, sie bei Konflikten zu hinterfragen und zu schauen, wie hilfreich sie inzwischen für einen selbst sind