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5. Arbeitsmindset - von Busfahrern und Medaillen

Wer wissen möchte, was Busfahrermetaphern, Medaillen, Modaloperatoren und ArbeitsLeben-Mindset miteinander zu tun haben, sollte unbedingt dranbleiben!

Hallo ihr Lieben, heute gehe ich auf ein paar Themen ein, die in den anderen Folgen immer mal schon angedeutet wurden und heute ihre eigene kleine Bühne bekommen sollen … Das Oberthema ist klar das Mindset. Ich halte die Einstellung, mit der man sein ArbeitsLeben gestaltet für essentiell.

An dieser Stelle möchte ich eine kleine Metapher bzw. Geschichte mit euch teilen. Hauptdarsteller ist ein namenloser Busfahrer irgendeiner vor Jahren mal gesehenen Doku, den wir einfach mal Gerhard nennen.

Gerhard ist seit er denken äh arbeiten kann Busfahrer, fährt primär die gleiche ländliche Route und steuert dabei unter anderem auch eine Schule an. Tagein, tagaus.

Doku-Gerhard hat so unfassbar strahlend von seiner Arbeit berichtet. Wie er es liebt, seine altbekannten Gesichter zu sehen:

  • die ältere Dame, die donnerstags zum Einkauf in die Stadt fährt
  • Kinder und Freundesgruppen, die heranreifen und ihn beim Großwerden zuschauen lassen (Prüfungen, Konflikte, Verliebtsein, Lachanfälle, Rebellion, Traurigkeit), während er sie zur Schule oder spät abends von Feiern oder Vereinsaktivitäten aus der Stadt heimfährt
  • Den Mann mittleren Alters, in Handwerkerkleidung täglich in dem ersten Bus auf dem Weg zur Arbeit
  • Und das putzige Seniorenpärchen, das seit Jahren am Wochenende rausfährt, um ihre Kinder und Enkelkinder auf dem Dorf zu besuchen

Gerhard findet seine Arbeit keineswegs langweilig. Er liebt sie. Er liebt das passive Teilhaben dürfen am Leben anderer, die Gespräche mit denen, die sich stets nach vorn zu ihm an den Fahrersitz setzen und ihm mehr Einblicke in ihr Leben gewähren, das Gefühl, aus der dichtbebauten Stadt raus in die Natur fahren zu dürfen.

Ich finde, Gerhard ist ein wundervolles Beispiel für ein wertschätzendes und positives Arbeits-Mindset.

Und hier kommen die Modaloperatoren aus dem NLP mit ins Spiel … Es handelt sich um Hilfsverben – also Wörter, die Verben genauer beschreiben, zum Beispiel: müssen, sollen, können, dürfen, wollen usw.

Wenn ihr mögt, könnt ihr bei dem folgenden Gedankenspiel mal mitmachen. Ich lese euch jetzt ein paar Sätze vor und ihr könnt mal in euch reinfühlen, was diese Aussagen mit euch machen - welche sich gut anfühlen, welche neutral und welche vielleicht negativ…

Ich muss morgen auf Arbeit gehen. Ich soll morgen auf Arbeit gehen. Ich kann morgen auf Arbeit gehen. Ich darf morgen auf Arbeit gehen. Ich will morgen auf Arbeit gehen. Ich möchte morgen auf Arbeit gehen.

Dieses Experiment könnt ihr mit jedem beliebigen Satz durchführen, der sich potentiell nach Pflichtgefühl anfühlt … Aufräumen, Geschirrspüler ausräumen, Steuererklärung machen, für eine Prüfung lernen, Gehalt neu verhandeln, Gespräch zu einem schwierigen Kunden suchen etc…

Wie erging es euch? So ein MUSS bzw. SOLL klingt für mich sehr negativ, verpflichtend und fremdbestimmt. Ein KANN schon eher nach Selbstbestimmung und zumindest geistiger/körperlicher Unversehrtheit. Das DARF klingt nach coolem Privileg und das WILL/MÖCHTE so unglaublich cool, motiviert und selbstbestimmt.

So ein kleines Wort kann einen sehr großen Unterschied machen. Und wenn ihr bei jedem MUSS stattdessen ein DARF oder WILL nutzt, sieht die Welt womöglich schon ganz anders aus….

Und wenn sich keines der Wörter authentisch und gut anfühlt, dann lasst sie einfach weg. Ein „Ich gehe morgen auf Arbeit“ ist allemal besser als das MUSS oder SOLL und ein recht neutraler in die Zukunft gerichteter Fakt.

In der Psychologie gilt ja so ein wenig der Leitsatz “Denken Fühlen Handeln”. Unsere Gedanken, Einschätzungen und Bewertungen lösen dementsprechende Gefühle aus. Wer im MUSS-Modus denkt, wird sich dementsprechend auch nicht gut fühlen können. Deshalb möchte ich euch an dieser Stelle dazu motivieren, eure Wort- und Gedankenwahl zu überdenken und auch mal bewusster auf euer Wording zu achten – egal, ob ausgesprochen oder nur gedacht und es ggf. umzuformulieren.

Und wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, darf sich an der Medaillen-Übung versuchen. Die ist noch etwas komplexer, weil es nicht nur um das Bemerken einzelner ungünstiger Wörter und deren Umkehrung ins Positive geht. Vielmehr zielt diese Übung darauf ab, sein Bewusstsein für das Positive einer Situation zu schärfen, die man selbst als negativ bewertet (prinzipiell funktioniert das Spiel natürlich auch andersherum, aber das über wir hier lieber nicht).

Wenn ihr an eine vergangene knifflige und herausfordernde Situation aus eurem ArbeitsLeben denkt oder euch auch künftig mal in einer solchen Lage befindet, könnt ihr euch eine Medaille (oder Münze) vorstellen. Gern auch möglichst genau visualisieren – eine große goldene Münze oder eine silberne Medaille als Halskette …

Jede Situation kann aus verschiedenen Sichtwinkeln und durch verschiedene Brillen gesehen werden – denkt nur an unsere 4. Folge zum Thema Attributionen zurück. Ihr könnt euch also bewusst in eine andere Betrachterrolle bringen und euch Zeit nehmen, auch mal die andere Seite der Medaille zu bestaunen.

Was könnte mein langer Arbeitsweg mit nachmittäglichem Stau Gutes an sich haben?

Was nützt mir eine Chefin mit Haaren auf den Zähnen?

Was für Vorteile könnte eine befristete Projektstelle im Vergleich zu einer sicheren Festanstellung haben?

Jetzt wüsste ich zu gern, was euch bei den Beispielen durch den Kopf gegangen ist … Sind euch sofort positive Facetten dazu eingefallen oder fühlt ihr euch noch in die Probleme hinein?

Wer im Perspektivwechsel noch nicht geübt ist, wird vielleicht auch nach längerem Überlegen keine positive Seite erkennen können und die ganze Übung in Frage stellen. Wie so vieles ist es eine Frage der Übung. Man kann das Auge bzw. die Sicht auf die Welt und damit auch seine Gedanken schulen. Steckt euch vielleicht als Erinnerung eine kleine Münze in die Tasche, die euch im Alltag immer wieder zufällig mal daran erinnern wird, dass es auch eine gute Seite gibt.

Fazit für die heutige Folge

  • es gibt kein objektiv, kein richtig oder falsch und auch kein reines gut oder schlecht
  • die Wahrnehmung der Menschen kann in der gleichen Situation bzw. mit den gleichen Fakten sehr unterschiedlich sein (Vgl. Busfahrermetapher)
  • die bewusste Wahl der Modaloperatoren kann einen positiven Einfluss auf einen haben (Vgl. Muss vs. Will) und ehe man einen negativen nutzt, kann man sie auch komplett eliminieren
  • die Gedanken resultieren in Emotionen, die wiederum Handlungen auslösen – es lohnt sich also, bereits bei den Gedanken anzusetzen und an ihnen zu arbeiten
  • eine Möglichkeit wäre, sich für jede Situation, die potentiell negative Gefühle in einem auslöst, auch positive Aspekte zu überlegen (Vgl. Medaillenübung)

Kleiner Treuebonus - für das erste Beispiel verrate ich mal meine Gedanken, den Rest schafft ihr selbst 😉

Was könnte mein langer Arbeitsweg mit nachmittäglichem Stau Gutes an sich haben?

  • Mehr Zeit für den Übergang von einem Tagespunkt zum nächsten – hierbei kann man sich bewusster auf das einstellen, was als nächstes kommt
  • Mehr Me-Time: Es soll vorkommen, dass bei manchen Menschen weitere wichtige Tagespunkte nach Feierabend folgen. Daher ist der Fahrtweg noch DIE Gelegenheit für etwas Exklusivzeit, die man durchaus für sich nutzen kann – whatever makes you happy
  • Bewusstmachen, wie wichtig einem seine Lebenszeit ist und dadurch vielleicht auch Änderungen vornehmen (anderes Verkehrsmittel, wohnortnahes Arbeiten, Wochenarbeitszeit umgestalten etc.)
  • tägliche Gelegenheit, sich in Ruhe, Entschleunigung und Geduld zu üben
  • eine Einladung, seinen Tag anders zu strukturieren und z. B. den Stau gleich mit einzuplanen und nachfolgende Termine nicht so eng zu legen – so freut man sich höchstens noch, falls es mal doch schneller ging